Das Königreich baut den Textilsektor aus

Resümee der marokkanischen Textilmesse

Diesen Freitag gehen die marokkanischen Bekleidungs- und Beschaffungsmessen Maroc in Mode und Maroc Sourcing zu Ende. Mit 94 Ausstellern war die Messe kleiner als im Vorjahr, als sich in Casablanca rund 120 marrokanische Produzenten präsentierten. „Die Erwartungshaltung der Anbieter an die Messe ist sehr hoch. Sie erhoffen sich mit der Teilnahme schnell volle Auftragsbücher”, erklärt Christiane Schultz, die für den marokkanischen Textilverband Amith arbeitet, der auch die Messe organisiert. 
  
In diesem Jahr ist die Sourcingplattform wieder nach Marrakesch zurückgekehrt. Sie wechselte in der Vergangenheit häufig zwischen den Städten, wobei in Casablanca als bedeutendstem Wirtschaftsstandort des Landes auch zahlreiche Modefirmen angesiedelt sind, Marrakesch jedoch als kulturelles Aushängeschild gesehen wird, das die Besucher noch stärker anlockt. 

Messe-Location war das Gelände der Gokart-Rennstrecke International Rallye Moulay Hassan. Rund 1500 Fachbesucher kamen, etwa 300 davon aus dem Ausland. 
  
In Marokko lassen vor allem spanische und französische Unternehmen wie Inditex, Pimkie, Promod oder Desigual produzieren, aber auch deutsche Konzerne wie Otto, Klingel, Adler und Metro beschaffen in dem nordafrikanischen Land, das vor allem mit Fast Fashion und Innovation punkten will. Nachteil des Landes ist, dass die wenigsten Betriebe vollstufig arbeiten, Stoffe und Garne werden importiert. Dafür investieren viele Unternehmen in neue Maschinen und Technologien sowie in Nachhaltigkeit und das oft mit Unterstützung der Regierung, die den ehrgeizigen Plan verfolgt, das Volumen dieses wichtigsten Wirtschaftszweiges des Landes innerhalb von zehn Jahren auf 9 Mrd. Euro mehr als zu verdoppeln. 
  
Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen allein 100.000 neue Arbeitsplätze in der Textil- und 
Bekleidungsindustrie geschaffen werden, in der heute rund 170.000 Menschen beschäftigt sind, in 1600 Betrieben. „Ich sehe großes Potenzial für dieses Sektor”, so Amith-Chef Mohamed Tazi. Im Vergleich zu anderen Ländern sei Marokko stabil in Wirtschaft, Politik und Währung. Dies sei ein entscheidender Faktor für die Zukunft.
„Wir sind auf der Suche nach Sourcing-Alternativen für unsere HAKA”, berichtet ein Einkäufer eines süddeutschen Premium-Labels. Der erste Eindruck der marokkanischen Anbieter habe gefallen,Testprodukte könnten bald in Auftrag gegeben werden. 
  
Auch die Sourcing-Beauftragte eines westfälischen Menswear-Spezialisten zeigte sich angetan von den Strickqualitäten. Bis zum ersten Auftrag könne es jedoch bis zu anderthalb Jahren dauern. „Deutsche Kunden sind sehr anspruchsvoll, aber wer sich einmal für uns entschieden hat, ist sehr zufrieden mit unserer Leistung”, wirbt Amith-Direktor Tazi.

Marjam Anja Siracusa
Contessa di Villalta
Chefredakteurin
Marokko-News

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